Rekonstruktionsversuch Olle Borg Heiden

Die Olle Borg lag in einem etwa 25 ha großen Sumpfgelände an der Königsstraße am Haselhoff. Sowohl diese beiden wichtigen strategischen Punkte als auch die Begräbnisstätte und die alte Gerichtsstätte mussten überwacht werden. Dort wurde von den Franken ein befestigter Hof angelegt, der von einem angesehenen Franken besetzt wurde.

Diese Anlage bestand aus einem weitläufigen Bauernhof aus Fachwerk mit einem Spieker und Wehrturm. Die genaue Lage, Bauart und der Grundriss konnten bisher nur nach mündlicher Überlieferung rekonstruiert werden. Demnach war die Burg von Umfassungswällen und an der Südseite von vier hohen, nebeneinander liegenden Hügeln umgeben. Auf dem westlichen Hügel hat vermutlich eine Kapelle und auf dem östlichen eine Scheune gestanden. Die Borg lag an einem Bach zwischen Crusen und Meyricks Wiesen in der Nähe der Vollerben Vering und Brösterhaus. Ein runder Hügel wurde von breiten Gäben und Wällen umgeben, wo die Borg stand. Noch 1740 wurden von Dorfbewohnern schwere Balken und viereckige Pfosten aus der Gräfte gezogen.

Bei der Borg handelte es sich um eine Wasserburg im Stil einer fränkischen Viereckanlage mit rechteckigem Grundriß, ca. 100 x 60 m groß. Die Burg war wie die Königshöfe zweigeteilt in Vorburg und Hauptburg. Mit Ausnahme eines turmartigen Spiekers oder Burgfrieds war alles aus Holz erbaut. Der Viereckshof war von Dornhecken, Flecht- und Palisadenwällen umgeben. Eventuell waren die Wälle mit einer Stein- oder Holzwand verkleidet. Vom Dorf aus gab es einen schmalen Zugang durch einen turmartig erhöhten Toreingang. Dort gab es vermutlich eine Zugbrücke über die Gräfte zur Vorburg.

Neben dem Spieker (Wirtschaftsgebäude) befand sich in der Vorburg ein auffälliger Turm, der im Allgemeinen den Umfang eines altrömischen Wartturmes von 10 x 10 m aufwies, der sogenannte Bergfried, eventuell das einzige steinerne Gebäude der ganzen Vorburg und nur durch eine Leiter zugänglich. Unten befand sich der Kerker, ganz oben hielt der Wächter seinen Dienst ab. Eventuell könnte in Heiden dieser Turm ausgegraben und somit rekonstruiert werden.

In der Hauptburg befand sich der Palas mit der Küche im Untergeschoss. Hier werden Wall und Graben zum Schutz der Familie besonders breit gewesen sein. Der Sall in Heiden war 10 - 15 m groß. Im Wohnbau befanden sich die Unterkünfte für die Gäste, Gesinde und das Frauengemach. Neben dem Hauptwohngebäude stand die für eine Burg übliche Kapelle.

Die Olle Borg war der erste Wohnsitz der Herren von Heiden. Als Erbauer der später zur Freigrafschaft Heiden gehörenden Burg Engelrading kommen entweder Engelbert, Herr zu Gemen, oder Engelbert, Herr von Heiden, in Frage. Die Herren von Heiden teilten sich die beiden Burgen Heiden und Engelrading schon 1330 (Engelrading bis 1638). Unmittelbar vor dem Kampf um die Vorherrschaft zwischen Gemen und Heiden 1369/1370 trat Menso von Heiden als Burgherr von Engelrading und der Knappe Wennemar als Gebieter auf der Ollen Borg auf.

1372 brannte Heinrich III. von Gemen im Zuge der Kämpfe um die Vorherrschaft im Westmünsterland die Olle Borg nach vollständiger Plünderung nieder.

Grundriss Olle Borg Heiden

Dort, wo sich früher die Olle Borg befand, ist heute ein Acker. Dank Herrn Rohring, der sich äußerst aktiv für den Heimatverein Heiden einsetzt, kann ich nun auch die Lage der Ollen Borg veröffentlichen (Auszug aus Google Map). Wer genau hinschaut, kann auch noch den ungefähren Umriss der Burg erahnen.

Achtung: Bei den Wiesen und Äckern handelt es sich um Privatbesitz!